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Design meets Science

Dr. Martina Sauer

INDEPENDENT RESEARCHER

Dr. Martina Sauer | Bühl, Germany: Als promovierte Bildwissenschaftlerin für das Museum Frieder Burda und die Kunsthalle Karlsruhe tätig.

Beirätin und Schatzmeisterin der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft und Co-Leiterin der Sektion Bild der Deutschen Gesellschaft für Semiotik. Sie studierte Kunstgeschichte, Kl. Archäologie und Philosophie in Heidelberg, München und Basel und promovierte bei Prof. Dr. Gottfried Boehm. Ihre Arbeit hat die Schwerpunkte in den Bereichen Ästhetik, Bildwissenschaft, Design- und Kunsttheorie und Kulturwissenschaft.

Konzept/Methode für das Verstehen analoger und digitaler Medien

Lässt sich eine produktive Hypothese für die akademischen und gestalterischen Arbeitsfelder für die Beurteilung analoger und digitaler Medien und deren Rezeption formulieren, wie es in der Ausschreibung angeregt wird? Eine Grundannahme lässt sich für beide Felder unumstößlich festhalten: Sie sind gleichermaßen von den Bedingungen der Wahrnehmung des Menschen abhängig. Vor diesem Hintergrund gilt, dass die technisch-gestalterischen Entscheidungen der Produzenten den Wahrnehmungsprinzipien des Menschen entsprechen müssen. Letztere sind grundsätzlich multimodal, werden jedoch von den jeweiligen Medien unterschiedliche angesprochen. D.h. im Kern muss zwischen Gestaltungsweisen und Wahrnehmungsweisen eine Analogie bestehen, damit diese für uns verständlich sind. Dass das von uns Erfasste darüber hinaus nicht nur wahrgenommen, sondern in seiner Bedeutung ausgelegt wird, spiegelt sich im Begriff der Anschauung, den schon Kant stark machte, wider. Das Wahrgenommene wird, so der Tenor, sogleich beurteilt. Spannend ist in diesem Zusammenhang der Schritt vom Wahrgenommen zum Angeschauten, von körpereigenen zu kognitiven Prozessen. Bereits Kant bringt als Vermittlerin zwischen beiden die Empfindungen ins Spiel. In daran anschließenden weiterführende kulturanthropologischen (u.a. von Aby Warburg, Ernst Cassirer, John. M. Krois) und prozessphilosophischen (Alfred N. Whitehead, Susanne K. Langer) sowie entwicklungspsychologischen und neurowissenschaftlichen Forschungen (u.a. Daniel Stern, Giacomo Rizzolatti, Vittorio Gallese) aber auch mit meinen eigenen Untersuchungen wurden die Forschungen dazu vertieft. Als gemeinsame Basis wurden dafür seit dem Aufkommen der Formalen Ästhetik bzw. Logik im 19. Jahrhundert weniger abbildlich wiedererkennbare Elemente angenommen, die bereits als anschaulich ausgelegte verstanden werden, sondern deren formal-logische Struktur („Stil“). Als Beitrag für die Tagung möchte ich vor dem Hintergrund der Konzeption der benannten Forschungstradition eine Methode vorstellen, mit der die Relevanz der formal logisch organisierten Struktur als Ausdruckspotential verstanden für die Auslegung und damit die Deutung des Wahrgenommenen nicht nur in Hinblick auf eine mögliche Erkenntnis (Tradition der Formalen Ästhetik und Ikonologie), sondern auch im Hinblick auf deren Handlungspotential (Tradition der Semiotik, u.a. Roland Barthes) gegriffen werden kann.

Die Konferenz FURE „The Future of Reading“ konzentriert sich auf die Chancen und Herausforderungen des Umbruchs in der Medienwelt.